Suche

Mein 1. 100er!


15. Juni 2019; Um fünf Uhr früh startete der Mozart100 am Kapitelplatz in Salzburg Richtung Fuschl am See. Die ersten 31 Kilometer und knapp 850 Höhenmeter habe ich im lockerem Lauftempo ohne Mühen in 3 1/2 Stunden absolviert. Dann führte der Weg über den Ebensee zum Winkl (KM 32 bis KM 45), die Temperatur steigt auf 28°C, zum Glück noch immer bewölkt, doch meine erste mentale Krise ist da: „Warum zum Teufel tue ich mir das an?“. In Gedanken versunken, verpasse ich eine Abzweigung, doch die Jungs hinter mir rufen mich sofort zurück auf den Weg. Ich ermahne mich im Geiste: „Ab sofort Konzentration auf dem Weg!“ Jetzt geht es hoch zur Schafbergalm - mein Element - ich liebe die langen, harten und steilen Bergaufpassagen. Ohne Problem oben angekommen (KM 51 und +2500 HM absolviert). Doch wer hoch läuft muss auch wieder runter. Leider liegt mir das Bergablaufen nicht, ich verliere wieder an Zeit und bin erst gegen 14 Uhr in St. Gilgen. In St. Gilgen stecke ich kurz den Kopf in den Wolfgangsee, eine herrliche Abkühlung bevor die größte Herausforderung - das „12er Horn“ -  auf mich wartet. Bei fast 30 °C und strahlendem Sonnenschein sind auf fünf Kilometer 1000 Höhenmeter zu bezwingen, um dann auf 1500 Meter auf dem 12er Horn eine fantastische Aussicht kurz zu genießen, bevor der lange Abstieg nach Fuschl am See beginnt.


Aussicht 12er Horn

Doch beim Abstieg sieht man in der Ferne die ersten Gewitterwolken näher ziehen. Von Blitzen und Donner begleitet kämpfe ich mich größtenteils alleine im Wald hinunter. Nur wenige Kilometer vor Fuschl am See hat mich das Gewitter erreicht, strömender Regen durchnässt mich. Trotz dem unguten Gefühl in einem Wald bei Gewitter unterwegs zu sein, genieße ich die unfreiwillige Abkühlung von oben sehr. Dann endlich in Fuschl am See angekommen (KM 78), mein Freund erwartet mich schon bei der Labstation, um mich für den Rückweg nach Salzburg zu motivieren. Überraschenderweise geht es meinen Beinen (v.a. meinen Knien) besser als erwartet. Somit startete ich um kurz vor 19 Uhr den „Heimweg“ an.


Kilometer 78 , bei Fuschl am See

Bis KM 90 konnte ich noch locker laufen, doch dann fängt mein Körper langsam an zu streiken. Die Kilometer ziehen sich unendlich hin. Plötzlich werden aus zwei Kilometer gefühlte Stunden… Zeit vergeht, meine physischen und psychischen Kräfte lassen nach, Verzweiflung setzt ein. Langsam quäle ich mich im Dunkeln mit der Stirnlampe die gefühlt „hunderte“ Treppen am Nockstein (-500HM) runter, um dann drei Kilometer vor dem Ziel den normalerweise „lächerlich kleinen“ Kapuzinerberg (250 Höhenmeter) zu überqueren und dann unten endlich in Salzburg anzukommen. Durch den Applaus der letzten paar Zuschauer schaffte ich es joggend die letzten 100 Meter überglücklich ins Ziel! Unglaubliche 109 Kilometer und +/-5000 Höhenmeter in 21 Stunden und 7 Minuten!!!


ZIEL, nach 21h und 7min

Einen riesengroßen Dank an „ChiRunning“ und „Liebscher & Bracht Schmerztherapie“ - ohne Euch hätte ich nicht mal im Traum daran gedacht jemals bzw. wieder länger als fünf Kilometer zu laufen.

Weiteren Dank an meinen Freund, sowie an meine Familie und allen Freunden, die mich auf meinem langen Weg unterstützt haben.

87 Ansichten